Kaum zu fassen: Verena Sailer aus Mannheim ist die schnellste Frau Europas. Die 24-Jährige lief im 100-Meter-Endlauf bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Barcelona am Donnerstagabend völlig überraschend zum Titel. In persönlicher Bestzeit von 11,10 Sekunden lag sie im Ziel eine Hundertstelsekunde vor der Französin Veronique Mang (11,11). Dritte wurde Myriam Soumare, ebenfalls aus Frankreich, in 11,18 Sekunden. "Wahnsinn, Wahnsinn. Ich kann es nicht glauben und freue mich so, gleich die Hymne zu hören", stammelte die fassungslose Europameisterin vor der anstehenden Siegerehrung.
"Eine Medaille im Sprint ist etwas ganz Besonderes. Das ist historisch", freute sich Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), über den Überraschungscoup. Zuletzt hatte 1990 Kathrin Krabbe 100-Meter-Gold nach Deutschland geholt. Die später des Medikamentenmissbrauchs überführte Sprinterin startete damals wenige Monate vor der Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands für die DDR.
Mit dem Triumph im Endlauf krönte Sailer ihre überragende Vorstellung bei den kontinentalen Titelkämpfen. Schon im Halbfinale, in dem die 24-Jährige mit zu viel Windunterstützung eine Zeit von 11,06 gelaufen war, und im Vorlauf (11,27) war keine ihrer Konkurrentinnen schneller gewesen als die Blondine aus Baden-Württemberg. Im Endlauf zeigte Sailer keine Nerven, sondern einen bärenstarken Endspurt, mit dem sie sich noch auf Platz eins schieben konnte. "Auf den letzten Metern musste ich dagegenhalten, aber es hat gereicht. Ich wollte unbedingt gewinnen und mir die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen. Diese Gelegenheit musste ich beim Schopf packen", so Sailer, die sich auch von einem kleinen Stolperer zu Beginn des Halbfinals auf dem Weg zum Titel nicht aus dem Tritt bringen ließ.
Schon bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig hatte sich die Studentin in guter Verfassung präsentiert, war in 11,23 zu ihrem fünften nationalen Titel gesprintet. Auf der 100-Meter-Strecke ist die neue Europameisterin die zweite deutsche EM-Medaillengewinnerin seit der Wiedervereinigung nach Melanie Paschkes Bronze 1994 in Helsinki. Die Mannheimerin hatte vor ihrem Triumph am Donnerstag nur bei der Hallen-EM 2009 eine Einzelmedaille gewonnen. Ebenfalls Bronze holte sie bei der WM im vergangenen Jahr in Berlin mit der 4x100-m-Staffel. Über 100 m war die frühere Turnerin 2007 U23-Europameisterin gewesen. Nun aber gab es Gold bei der "richtigen" EM: "Das wollte ich das ganze Jahr. Ich habe schon die ganze Zeit das Bild vor Augen gehabt, die Ehrenrunde zu laufen", strahlte Sailer nach ihrem verdienten Erfolg.
Nicht ins EM-Finale schaffte es Sailers Clubkollegin Anne Möllinger. Sie schied mit einer Halbfinal-Zeit von 11,60 Sekunden aus. "Ich bin gar nicht richtig in den Lauf reingekommen. Das war schlecht", sagte die Mannheimerin nach dem Rennen. Yasmin Kwadwo (Wattenscheid) war schon im Vorlauf ausgeschieden.
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Das gibt's ja gar nicht - eine Europameisterin aus Deutschland!
Länge: 2:33 Minuten
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