Unger und Schwab: Bolt nicht immer fair

Die Sprinter Tobias Unger (l.) und Stefan Schwab © ARD
große Bildversion anzeigen Gute Stimmung bei den Sprintern Tobias Unger (l.) und Stefan Schwab.

Superstar Usain Bolt ist im Lager der deutschen Sprinter nicht uneingeschränkt beliebt. "Ich finde grob unsportlich, was er teilweise macht", kritisierte Stefan Schwab am Dienstag im Gespräch mit sportschau.de. "Ich muss mich beim Lauf nicht umdrehen und lächeln, und die anderen kämpfen dahinter noch um Plätze und rackern sich ab. Das ist nicht das, was man unter Fairplay versteht", so der Schwarzenbeker. Bolt, der die 100 m in Berlin in der Fabelzeit von 9,58 Sekunden gewonnen hatte, hatte vor allem im Halbfinale am Sonntag für erhitzte Gemüter gesorgt. Nach knapp 65 m hatte der dreifache Olympiasieger von Peking seine Geschwindigkeit sichtbar gedrosselt und Vorlauf-Sieger Daniel Bailey breit angegrinst.

Unger: "Teilweise cool"

Auch für Tobias Unger ein Unding. "Während des Laufs so etwas zu machen, ist unsportlich. Egal, wie überlegen man ist. Die anderen dahinter geben auch ihr Bestes und trainieren ein Jahr lang darauf hin", monierte der deutsche Meister. Mehr Verständnis zeigte der "Schwabenpfeil" hingegen für die obligatorische Show des extrovertierten Jamaikaners, der sich auch in Berlin mit Gesten und Mimik perfekt in Szene setzt: "Das gehört bei ihm dazu, er ist einfach so. Ich finde das teilweise sogar cool. Wenn ich 9,60 laufen könnte oder schneller, wäre ich bestimmt auch ein Stück weit extrovertierter", so der 30-Jährige.

Zweifel an der Leistung

Der "Regent" lässt sich feiern: Sprint-König Usain Bolt © Bongarts/Getty Images
große Bildversion anzeigen Der "Regent" lässt sich feiern: Sprint-König Usain Bolt.

Ungläubig und beeindruckt, aber auch voller Zweifel hatten die beiden besten deutschen Sprinter des Jahres das Finale am Sonntagabend von der Tribüne des Olympiastadions verfolgt. "Die Leistung steht, er ist von den Tests her sauber, also muss es möglich sein. Aber eigentlich kann das nicht angehen. Das ist, als wenn jemand im Zehnkampf plötzlich 10.000 Punkte schafft oder im Weitsprung neun Meter springt", meinte Schwab. Er mache sich keine Gedanken, "ob der oder der voll ist", versicherte unterdessen Unger: "Das macht mich selbst nicht schneller oder langsamer. Wichtig ist aber, dass die Öffentlichkeit mitbekommt, dass bei sechs Milliarden Menschen nicht sein kann, dass eine Insel alles dominiert." Wünschenswert seien lückenlose Tests, wie sie künftig auch in Jamaika vermehrt stattfinden sollen. Die Siegerzeit nannte der Olympia-Siebte von 2004 trotz aller Bedenken "sensationell. Er hatte auch im Vorfeld immer starke Rennen, trotz teilweise schlechter Bedingungen. Hier hat alles gepasst, da ist eigentlich logisch, dass er eine starke Zeit erreicht hat."

Im Vorlauf gescheitert

Bolt werde auch über 200 m beeindrucken, prognostizierte Unger. "Er hat eigentlich keine starke Konkurrenz mehr, nachdem Tyson Gay abgesagt hat. Ob er dann aber noch so hochmotiviert ist, einen weiteren Weltrekord anzugehen, weiß ich nicht." Der Schwabe selbst will nach seinen Achillessehnenproblemen mit zwei Operationen möglichst im nächsten Jahr wieder auf die doppelte Sprintdistanz zurückkehren. Nur aus Verletzungsgründen hatte er sich bei seiner vierten WM-Teilnahme auf die 100 m verlegt und war nach starken 10,18 Sekunden bei den nationalen Titelkämpfen in Ulm vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) trotz fehlender zweiter A-Norm auch für einen Einzelstart in Berlin nominiert worden. In enttäuschenden 10,42 Sekunden scheiterte er jedoch ebenso wie Schwab schon im Vorlauf.

Staffel ohne Schwab

Sprinter Stefan Schwab © dpa
große Bildversion anzeigen Hat bei der WM in Berlin viel gelernt: Stefan Schwab.

"Natürlich möchte man etwas zurückzahlen, wenn man so eine Chance erhält. Das ist mir leider nicht gelungen. Ich hoffe aber, dass ich das mit einem guten Staffellauf wieder ausbügeln kann", sagte Unger, der Platz fünf oder sechs mit dem DLV-Quartett für realistisch hält. Passen muss dann Schwab. Der 22 Jahre alte WM-Debütant war schon beim Einzelstart durch eine Muskelverletzung und Mandelentzündung stark gehandicapt. 10,50 Sekunden reichten nicht annähernd an seine in diesem Jahr aufgestellte Bestzeit von 10,19 heran. Die Enttäuschung des jungen Beamten hielt sich dennoch in Grenzen. "Das war eine einmalige Erfahrung. Ich habe viel gelernt und kenne jetzt die Abläufe. Die nächste WM kann kommen."

Autorin/Autor: Bettina Lenner, sportschau.de
Stand: 18.08.2009 17:40
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