"Danke Berlin" - Ein Abend der Superlative

Fans im Berliner Olympiastadion © sportschau.de/berlin Fotograf: Thomas Luerweg
große Bildversion anzeigen Tolle Stimmung auf den Rängen: Die Fans feiern die Athleten mit der La-Ola-Welle.

Es mag vermessen erscheinen, schon am zweiten Tag einer Sportveranstaltung ausschließlich in Superlativen zu sprechen. Doch was sich am Sonntagabend im Berliner Olympiastadion abspielte, dürfte das Optimum sein, was die Leichtathletik zu bieten hat. Das Drehbuch sah dabei nicht nur zwei Silbermedaillen für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vor, sondern auch einen Fabelrekord des jamaikanischen Wundersprinters Usain Bolt, der in sagenhaften 9,58 Sekunden über die blaue Bahn flog und einem ohnehin mitreißenden Abend die Krone aufsetzte. Dabei drohte das zum Giganten-Duell stilisierte Kräftemessen zwischen Bolt und Titelverteidiger Tyson Gay zwischenzeitlich sogar in den Hintergrund zu treten, nachdem Kugelstoßerin Nadine Kleinert und Siebenkämpferin Jennifer Oeser sensationell die Medaillen Nummer zwei und drei für den DLV geholt hatten.

Einheizerin Kleinert - Drama um Oeser

Siebenkämpferin Jennifer Oeser freut sich über Silber. © dpa bildfunk Fotograf: Hannibal
große Bildversion anzeigen Siebenkämpferin Jennifer Oeser freut sich über Silber.

Kleinert erwies sich dabei als die ideale Einheizerin. Schon im ersten Versuch wuchtete die 33-Jährige, die seit rund 20 Jahren im Geschäft ist, die Kugel auf persönliche Bestweite von 20,06 m und steigerte sich schließlich im dritten Durchgang sogar noch einmal auf 20,20 m. Erstmals schwappte die La-Ola-Welle durchs mit 50.000 Zuschauern gefüllte Rund, doch es sollte noch besser kommen. Denn parallel zu Kleinert griff Jennifer Oeser nach der ersten Medaille einer deutschen Siebenkämpferin seit zwölf Jahren - und brachte sich fast um die Früchte ihrer Arbeit. Die Leverkusenerin kam im abschließenden 800-m-Lauf nach 350 m zu Fall, rappelte sich auf und kämpfte sich schließlich unter tosendem Applaus ins Ziel - just in dem Moment, als Kleinert ebenfalls als Zweitplatzierte feststand. Während sich die 1,90-m-Frau in einer Stadionkurve feiern ließ, winkte Oeser am anderen Ende vollkommen ausgepumpt in die Kamera und streifte sich ein T-Shirt über. "Danke Berlin" stand darauf zu lesen, und dieser Dank wirkte echt. So echt, dass zahlreiche Zuschauer mit den Tränen kämpften.

So kann es weitergehen

Nadine Kleinert © AP
große Bildversion anzeigen Erwies sich als die ideale Einheizerin im Stadion: Kugelstoßerin Nadine Kleinert.

"Das ist hier der Hammer", jubelte Oeser ins Mikrofon, bevor sie auf die Ehrenrunde ging und auf halbem Weg Kleinert um den Hals fiel. Dass die beiden DLV-Asse nicht direkt die ganze Runde machen konnten, weil sich Bolt & Co. bereits am Start versammelt hatten, sorgte nur kurz für Unmut beim Publikum. Danach setzte der Jamaikaner scheinbar alle physikalischen Gesetze außer Kraft und verwandelte das Stadion endgültig in einen Hexenkessel. Noch Stunden später machten jamaikanische Fans die Nacht zum Tag und sangen lauthals "Nine five eight, nine five eight..." Und auch im deutschen WM-Club in der Französischen Straße, wo sich Verantwortliche, Offizielle und Athleten nach getaner Arbeit treffen, richtete man sich auf einen langen Abend ein. Dessen Fazit lautet: Die WM ist endgültig in Berlin angekommen. So kann es immer weitergehen.

Autorin/Autor: Bettina Lenner, sportschau.de
Stand: 16.08.2009 23:15
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Nadine Kleinert © AP

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