Doping

ARD-Sendung: Matschiner droht erneute Vernehmung

Sportmanager Stefan Matschiner bei der Entlassung aus der U-Haft © picture-alliance/ dpa Fotograf: epa apa Roland Schlager
große Bildversion anzeigen Hier bei der Entlassung aus der U-Haft: der Österreicher Stefan Matschiner.

Stefan Matschiner droht nach seinen Äußerungen in dem in der Nacht zum Donnerstag ausgestrahlten ARD-Feature "Geheimsache Doping" Ärger mit dem österreichischen Kriminalamt. Die Sonderkommission Doping will den Sportmanager nun erneut vernehmen. Das erklärte Michaela Schnell, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, am Donnerstag in der Sendung "Zeit im Bild" des österreichischen Fernsehens. Matschiner hatte in dem ARD-Bericht zugegeben, einen deutschen Top-Läufer mit Designer-Steroiden versorgt zu haben und in von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditierten Labors in Mitteleuropa Mitarbeiter bestochen zu haben.

Designer-Steroide an deutschen Meister?

Ein deutscher Top-Läufer soll laut ARD-Bericht in den Doping-Skandal involviert sein © Bongarts/Getty Images
große Bildversion anzeigen Dopingproben im Labor.

Der aus rechtlichen Gründen von der ARD namentlich nicht genannte Sportler wurde nach ARD-Angaben in diesem Jahr deutscher Meister. "Wir hatten nie direkten Kontakt. Es lief über Mittelsmänner", sagte Matschiner, der unter anderem auch den Rad-Profi Bernhard Kohl von Anfang 2006 bis Mitte 2008 mit Dopingmitteln wie EPO oder Wachstumshormonen versorgt haben soll.

Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV, forderte Matschiner und die ARD auf, "Ross und Reiter" zu nennen. "Es ärgert mich, wenn Verdächtigungen ausgesprochen werden, ohne dass Beweismittel auf den Tisch kommen", sagte Prokop: "Behauptungen, die im Nebel verschwinden, helfen uns nicht weiter. Wenn die Aussagen belastbar sind, dann gibt es keinen Grund, den Namen zurückzuhalten." Erst dann könne er aktiv werden, meinte der Kelheimer Amtsgerichtsdirektor.

WADA-Labore angeblich bei Vertuschungen behilflich

Dass seine Sportler nicht auffliegen, gehörte laut Matschiner zu seiner "Rundumversorgung". Behilflich waren ihm dabei angeblich Mitarbeiter von offiziell akkreditierten WADA-Laboren in Mitteleuropa. Er habe sich mit den Mitarbeitern getroffen, Geld sowie Urinproben seiner Klienten übergeben und im Gegenzug erfahren, welches Ergebnis ein Test bringen würde. WADA-Generaldirektor David Howman zeigte sich entsetzt über diese Information und kündigte Ermittlungen an. "Es wäre skandalös und einer der schlimmsten Regelbrüche überhaupt", sagte der Neuseeländer.

Jamaikas Leichtathletik gerät in Verruf

In Erklärungsnot könnte auch der frühere Agent des bei Olympia 1988 überführten Ben Johnson, Robert Wagner, geraten. Der zweite Insider des Berichts, der Mexikaner Angel Heredia, enthüllte, er habe von 2004 bis 2005 Geschäfte mit dem Manager gemacht. Wagner war in dieser Zeit auch für deutsche Spitzen-Leichtathleten im Einsatz. Der Österreicher stritt die Vorwürfe gegenüber dem SID ab: "Ich habe Herrn Heredia in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen oder gesprochen, auch nicht über Mittelsmänner."

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Ins Zwielicht gerät durch den Bericht auch die jamaikanische Leichtathletik. Zwar sprach Herb Elliott, Chef der Jamaikanischen Anti-Doping-Kommisson (JADCO) von zahlreichen Tests im Vorfeld von Olympia in Peking, dem widersprach jedoch Stephen Francis, Trainer des ehemaligen 100-m-Weltrekordlers Asafa Powell: Kein einheimischer Kontrolleur habe Tests gemacht, außer bei den nationalen Meisterschaften. Laut Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte und mit Robert Kempe Autor des Beitrags, haben die beiden Insider Matschiner und Heredia keinerlei Honorar für ihre Aussagen erhalten.

Stand: 13.08.2009 21:30
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