Marathon

Maisch freut sich auf WM-Marathon

Marathon-Europameisterin Ulrike Maisch mit der deutschen Fahne © dpa
große Bildversion anzeigen Nach Irina Mikitenkos Absage im Marathon-Team für die WM: Ulrike Maisch.

Aus der Traum von einer WM-Medaille im Mannschafts-Marathon der Frauen. So klar sieht es Europameisterin Ulrike Maisch. Die Rostockerin erfuhr am späten Samstagnachmittag von ihrer Nachnominierung für Berlin. Bundestrainer Detlef Uhlemann hatte per SMS um Rückruf gebeten. Da hatte er sich dem DLV gegenüber bereits als "Unheilsbringer" betätigt und die Absage von Gold-Hoffnung Irina Mikitenko übermittelt. "Die tragische Situation in ihrer Familie hat sie sehr mitgenommen", schildert Uhlemann, der bis zum 30. Juli das Trainingslager der gebürtigen Kasachin in St. Moritz vor Ort verfolgte. Mikitenko hatte der Tod ihres Vaters offenbar stark zugesetzt. "Es fiel ihr schwer, sich aufs Laufen zu konzentrieren", beobachtete Uhlemann.

"Jetzt rennen wir für Irina"

Langstrecken-Bundestrainer Detlef Uhlemann © picture-alliance/ dpa
große Bildversion anzeigen Zweck-Optimismus nach Mikitenko-Absage: Marathon-Bundestrainer Detlef Uhlemann.

Fraglos bedeute die Absage der zweimaligen London-Siegerin und diesjährigen Weltjahresbesten eine "starke Schwächung" des Teams. "Trotzdem haben wir eine gute Mannschaft, die sich nicht verstecken muss", meint der ehemalige deutsche 10.000-m-Rekordhalter gegenüber sportschau.de. Bei "seinen" Marathon-Frauen sei die Hiobsbotschaft mehr mit Mitgefühl als mit Bedauern aufgenommen worden. Nun gelte es erst recht, sich als Team darzustellen, kündigte der Bundestrainer an. "Jetzt rennen wir für Irina", sei eine der Reaktionen aus dem Quintett gewesen, in das die Europameisterin von Göteborg 2006, Ulrike Maisch, nachrückt. Die Rostockerin sprach gegenüber sportschau.de von einem "herben Schock". Mit Mikitenko fehle die größte Favoritin.

Ohne Mikitenko keine Medaillenchance?

Marathonläuferin Irina Mikitenko © Gladys Chai von der Laage
große Bildversion anzeigen Zweimalige Siegerin in London: die Wattenscheiderin Irina Mikitenko.

"Mit ihr konnten wir von einer Medaille träumen, ohne sie sind wir ohne Chance", sagte Maisch, die am Sonntag auf der Rolle trainierte. Japan, Russland, China und die Afrikanerinnen schätzt die 32-Jährige auf dem Sightseeing-Rundkurs durch die Hauptstadt nun stärker ein als das deutsche Team, in dem Sabrina Mockenhaupt einerseits die mit bislang erst zwei Marathons unerfahrenste, andererseits aber aufgrund ihrer Vorleistungen mutmaßlich stärkste deutsche Einzelläuferin sein dürfte. "Eine Anführerin gibt es aber nicht. Jeder macht sein Training, bislang gabs auch keine Mannschaftstaktik", so Maisch, die sich nach eigenem Bekunden zuvor nicht so sehr mit der WM beschäftigt, aber im Hinblick auf einen Herbstmarathon weitertrainiert habe. "Bis auf ein paar Fußproblemchen bin ich eigentlich ganz fit", schildert die Sportsoldatin, die Ende April in Hamburg in 2:34:28 Stunden die direkte Qualifikation zur Heim-WM in Berlin verpasst hatte und derzeit über eine schmerzende rechte Hacke klagt. "Mocki" ihrerseits wollte die Hoffnung auf WM-Edelmetall noch nicht aufgeben. "Ulli läuft in Meisterschaftsrennen immer schlau. Und wenn wir alle schlau sind, können wir auch eine Medaille packen."

"Ich habe mich gefreut"

Europameisterin Ulrike Maisch und ihr Freund Richard Friedrich im Ziel beim Hamburg-Marathon 2009 © dpa - Bildfunk
große Bildversion anzeigen Direkte WM-Qualifikation in Hamburg verpasst: Europameisterin Ulrike Maisch.

Vom letzten Vorbereitungscamp des deutschen WM-Teams ab Montag in Kienbaum will Europameisterin Maisch "so schnell wie möglich wieder weg", um daheim in Rostock den letzten Feinschliff mit Trainer Klaus Weippert vorzunehmen. "Der sieht Sachen, die man selber beim Laufen gar nicht wahrnimmt", meint Maisch, die bei allem Bedauern über die Absage von Irina Mikitenko nun ihre eigene WM-Chance ergreifen will. "Es ist schade für Irina, und ich hoffe, dass es ihr bald besser geht", so Maisch. "Aber ich denke mehr an mich. Ich habe mich über den Anruf des Bundestrainers gefreut."

Autorin/Autor: Andreas Schlebach, NDR
Stand: 09.08.2009 11:26
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