Sportler

Usain Bolt

Usain Bolt © picture-alliance / dpa Fotograf: Jessi Nukari

Disziplin: 200 m, 100 m, 4 x 100 m
Land: Jamaika

geb. am 21.08.1986 in Trelawny, Jamaika
Größe: 195 cm
Gewicht: 93 kg
Trainer: Glen Mills

Bogenschütze, Sterndeuter, "Blitz-Bolt" und Legende - Usain Bolt ist ein Meister der Selbstinszenierung. Und in einer Zeit, in der ein neues Doping-Beben die Leichtathletik erschüttert, kommt der Superstar aus Jamaika beinahe schon als Messias daher. 60.000 Zuschauer huldigten dem mit sechs Mal Olympia-Gold und fünf WM-Titeln dekorierten Wundersprinter beim Diamond-League-Meeting in London wie einem Halbgott. Auf einer Rakete mit vier Rädern wurde Bolt ins Olympiastadion gefahren. Er stand auf dem Geschoss wie auf einer Kanzel – in einem giftgrünen T-Shirt, schwarzen Bermudas , mit dunkler Sonnenbrille und verzog keine Miene. Predigte da wortlos der vermeintliche Retter der Leichtathletik?

Zumindest lieferte der schnellste Mann der Welt keine drei Stunden später wieder einmal eine richtige Show ab. Der 26-Jährige rannte bei der WM-Generalprobe ganz ohne Düsenantrieb die 100 Meter in 9,85 Sekunden. Schneller war im WM-Jahr nur der Amerikaner Tyson Gay (9,75), doch der ist mittlerweile ein überführter Dopingsünder, weil auch seine B-Probe positiv war. Weil auch Ex-Weltrekordler Asafa Powell der Einnahme verbotener Substanzen überführt wurde und sein Landsmann Yohan Blake wegen einer Oberschenkelverletzung nicht startet, gehen Bolt langsam doe Konkurrenten für Moskau aus. So wird er bei der WM wohl hauptsächlich gegen den Generalverdacht anrennen, der über der kompletten Sprinterszene liegt. Es nervt ihn, das machte er in London deutlich. "Ich versuche, dem Sport zu helfen, indem ich große Dinge vollbringe und versuche, ihn in ein gutes Licht zu stellen. Deshalb bin ich hier", sagte der Publikumsliebling aus Kingston und beteuerte einmal mehr: "Ich bin sauber."

Zweifellos bringt der Inhaber aller Sprint-Weltrekorde seltene anatomische Voraussetzungen mit. Während seine Größe von 1,95 Metern beim Start eher hinderlich ist, ermöglichen ihm seine 1,10 Meter langen Beine eine Schrittlänge von bis zu 2,95 Metern. Bei seinen Olympiasiegen über 100 Meter und bei seinem Weltrekord während der WM 2009 in Berlin benötigte der Sprintriese nur 41 Schritte von der Start- bis zur Ziellinie. Sein betont aufrechter Laufstil sieht zudem aufreizend lässig aus. Häufig wirkt Bolt, als spiele er nur mit seinen Konkurrenten. Das hat ihm neben Bewunderung auch schon viel Kritik eingebracht.

Respektlosigkeit warf ihm nicht nur IOC-Präsident Jacques Rogge vor, als Bolt nach zweimal Silber bei der WM in Osaka bei Olympia 2008 erstmals als der große Dominator auf die Weltbühne des Sports trat und jeweils in Weltrekordzeit neben den 100 und 200 Metern auch Gold mit der jamaikanischen Staffel gewann. Im 100-m-Finale von Peking hatten sich an einem von Bolts Schuhen die Schnürsenkel gelöst, trotzdem nahm er sich die Zeit, sich noch vor der Ziellinie nach seinen Verfolgern umzusehen und sich angesichts seines beruhigenden Vorsprungs mit der Hand auf die Brust zu klopfen. 9,69 Sekunden – Bolt hätte ohne dieses Mätzchen schon damals deutlich schneller sein können. Doch auch über die doppelte Distanz, auf der er in 19,30 Sekunden den zwölf Jahre alten Weltrekord von Michael Johnson knackte, ließ er sich noch etwas Spielraum für weitere millionenschwere Bestmarken. Johnsons Urteil aber stand schon damals fest: "Das ist Superman II."

Bei der WM genau ein Jahr später in Berlin sprintete Bolt – unbeeindruckt von den Doping-Ermittlungen gegen seinen Trainingspartner Blake - in neue Sphären. Die blaue Bahn in der deutschen Hauptstadt leuchtete am 16. August 2009 noch etwas heller, als der 1,95 Meter große Ausnahmeathlet die 100 Meter in 9,58 Sekunden zurücklegte – ein Fabelweltrekord, doch die Show war noch nicht zu Ende. Vier Tage später drückte Bolt auch den Weltrekord über die doppelte Distanz auf beeindruckende 19,19 Sekunden. Sein drittes WM-Gold holte er mit der Staffel, die aber stellte – beinahe enttäuschend – keine neue Bestzeit auf.

Der Staffel-Weltrekord fiel zwei Jahre später bei der WM in Daegu. Mit Nesta Carter, Michael Frater und Blake sprintete Bolt in 37,04 Sekunden zum Sieg. Nach Gold über 200 Meter war es für ihn nicht wirklich eine Entschädigung dafür, dass er auf seiner Paradestrecke nach einem Fehlstart disqualifiziert worden war. Blake nutzte das Drama um seinen Landsmann und wurde Weltmeister über 100 Meter.

Der Multimillionär begann nach dem Fauxpas von Daegu nicht etwa an sich zu zweifeln. Bei den Olympischen Spielen in London genoss er die große Bolt-Show in vollen Zügen. Als erster Sprinter überhaupt wiederholte er das Olympia-Double über 100 und 200 Meter und setzte als Sahnehäubchen noch Gold mit der Staffel obendrauf. Das jamaikanische Quartett durchbrach in 36,84 Sekunden als erste Staffel die Schallmauer von 37 Sekunden. Für die Kameras und das begeisterte Publikum lieferte Bolt natürlich auch in London ein paar Einlagen. Er hampelte herum und küsste die Laufbahn. Nach seinem 200-m-Sieg machte er noch schnell ein paar Liegestütze. "Ich bin jetzt eine Legende", verkündete er schließlich. "Ich bin auch der größte noch lebende Athlet." Es sind die Worte eines Mannes, der Bescheidenheit nicht zu seinen hervorstechenden Eigenschaften zählt. Aber er hat Recht.

Größte Erfolge:
Pers. Bestleistung:
9,58 Sek. (100 m/2009, WR)
19,19 Sek. (200 m/2009, WR)

Olympische Spiele:
2008 Gold (100 m, 200 m und 4x100 m)
2012

Weltmeisterschaften:
2011 Gold (200 m, 4x100 m)
2009 Gold (100 m, 200 m, 4x100 m)
2007 Silber (200 m und 4x100 m)

Weltfinale:
2009 Erster (200 m)
2006 Dritter (200 m)

U20-Weltmeisterschaften:
2002 Gold (100 m), Silber(4x100 m, 4x400 m)

U18-Weltmeisterschaften:
2003 Gold

Weitere Erfolge:
200 m (Junioren): 19,93 Sek. (WR/2003)

Auszeichnungen:
IAAF Weltathlet des Jahres (2008, 2009, 2011)
Laureus Weltsportler des Jahres (2009, 2010)

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