Wird man aus Schaden klug? Nicht bei Olympia in St. Louis. Die Fehler von Paris wiederholen sich. Wie vier Jahre zuvor verkommen die Spiele zum Anhängsel der Weltausstellung. Zwischen Ausstellungspalästen, Sehenswürdigkeiten und einer elektrisch betriebenen Kleinbahn: Olympia, zähe fünf Monate lang und von nur zwölf Nationen besucht. IOC-Präsident Pierre de Coubertin zeigt sich enttäuscht: Statt der erhofften "Internationalisierung" nur eine teils absurde Inszenierung der olympischen Idee. So sieht der Baron die von der völkerkundlichen Abteilung der Weltausstellung organisierten "Anthropologischen Tage" als Diskriminierung an: Wettbewerbe für ethnische Minderheiten - wie Steinwerfen, Schlammkämpfe und Baumstammklettern. Das muss er nicht haben, und deshalb reist er gar nicht erst an.
Coubertin verpasst den ersten Zehnkampf der Olympia-Geschichte - mit Überraschungssieger Tom Kiely aus Irland. Hart: Alle zehn Disziplinen (damals: 100y, Kugel, Hoch, 880y Gehen, Hammer, Stabhoch, 120y Hürden, Gewichtwurf, Weitsprung und 1 Meile) werden am selben Tag absolviert. Von insgesamt 26 Leichtathletik-Goldmedaillen bleiben ansonsten 24 in den USA. Auch beim neu ins Programm genommenen Boxen dominieren die Amerikaner. Sie belegen in allen sieben Gewichtsklassen die ersten Plätze. Gleich sechs Medaillen heimst US-Turner George Eyser ein - mit einem Holzbein. Der schier unglaubliche Weltrekord von 53,0 Sekunden seines Teamkameraden Harry Hillman über 400 m Hürden wird annuliert. Zum einen, weil Hillman die achte Hürde regelwidrig umgeworfen hat. Zum anderen, weil sämtliche Hürden die falsche Höhe aufweisen: Statt der vorgeschriebenen 91,4 sind sie nur 76 Zentimeter hoch.
Die Deutschen kommen im Schwimmen mit viermal Gold in neun Wettbewerben groß heraus: Über 100 m Rücken gehen gleich alle drei Medaillen an Walter Brack, Georg Hoffmann und Georg Zacharias. Der Berliner Emil Rausch gewinnt über 880 Yards und eine Meile Freistil jeweils Gold und holt über 200 m Freistil Bronze. Ansonsten läuft in dem künstlich angelegten See einiges schief: Ein Floß muss als Startrampe herhalten, Sprungbretter sind morsch, und etliche "verschwimmen" sich auf dem Weg zum Ziel.
"Interessante" Strecke durch verschlungene Straßen, über staubige Sandwege - und über sieben Hügel. [mehr]
Seit 1928 tragen bis heute alle Medaillen auf der Vorderseite ein Bild der Siegesgöttin Nike. [mehr]
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DLF/ DKultur, DW