Hagens Stamm-Tisch in Peking

Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm © Lars Gawel
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"Wir mögen pralle Bälle und feuchte Becken" - mit einem selbstgemalten Plakat hatten die deutschen Wasserballer ihren Bundestrainer Hagen Stamm beim Einzug ins Athletendorf am Mittwoch empfangen. "Man merkt, dass wir da sind. Die Stimmung im Dorf ist seitdem viel besser", schmunzelt Stamm am Tag danach. Der 48-Jährige und sein Team sind eben ein wenig anders. Das Wort "Kasernieren" gibt es in Hagen Stamms Wortschatz nicht. Eine vorgeschriebene Bettruhe wird es nicht geben. Da hat der Bundestrainer "vollstes Vertrauen" in seine Spieler. Statt Abschotten und sich auf das Wichtigste zu fokussieren, will der Trainer für Abwechslung sorgen. "Deshalb ist für mich klar, dass die Jungs an der Eröffnungsfeier teilnehmen. Der Adrenalinstoß durch den Einmarsch ins Olympiastadion ist größer als der Ermüdungsfaktor", stellt er klar. Um einem Lagerkoller vorzubeugen, will Stamm zudem Ausflüge ansetzen und versuchen, Karten für einige Wettkämpfe zu bekommen.

24-Stunden-Party in L.A.

"Den alten Spielern zwischen 30 und 39 Jahren muss man die Möglichkeit geben, sich zu entfalten", weiß Stamm aus eigener Erfahrung. Nur zu gern erinnert er sich an die Spiele 1984 in Los Angeles, als die Wasser- und die Handballer zusammen eine rauschende Party zelebrierten. "Wir haben 24 Stunden gefeiert. Ich saß damals mit Martin Schwalb stundenlang auf dem Balkon im olympischen Dorf, das hat richtig Spaß gemacht", schwärmt der Berliner noch heute.

Tür an Tür mit Sohn Marko

Marko Stamm © dpa
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Pech hat indes sein Sohn Marko. Der 19-Jährige, der für den erkrankten Steffen Dierolf  (Herzfehler) ins Team gerutscht ist, wohnt im Dorf direkt neben seinem Vater. "So habe ich ihn wenigstens unter Kontrolle", feixt Stamm. Vergleiche mit seinem Sohn scheut aber das Wasserballidol, das in seiner aktiven Zeit zu den weltbesten Centerspielern zählte. "Er ist etwas kleiner als ich, hat aber wesentlich mehr Ballgefühl", fasst der Bundestrainer knapp zusammen. Dass Marko noch zu Hause wohnt, ist für Hagen Stamm auch kein Problem: "Ich habe nichts dagegen, wenn morgens wechselnde Frauen aus dem Bad kommen", lacht der 332-fache Nationalspieler. Vielmehr sorgt er sich um die Problematik, die die Konstellation mit sich bringt. Auf der einen Seite wird man beäugt, ob man seinen Sohn bevorzugt. Auf der anderen Seite muss man aufpassen, dass man nicht überkritisch ist. Da muss ich mich immer selbst überprüfen", erklärt er.

Einmal im Rampenlicht stehen

Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm © DPA
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Für seine fünften Spiele hat er sich wieder einiges vorgenommen. Als sportliches Ziel visiert er ein Platz unter den besten acht von zwölf Mannschaften an. "Vielleicht können wir aber auch den fünften Platz von Athen wiederholen", hofft Stamm. Außerhalb des Beckens kämpft der 48-Jährige leidenschaftlich dafür, dass der Wasserball aus seiner Nische kommt. "Es ist schade, dass die Situation in Deutschland so ist, dass Wasserball außerhalb der Spiele kaum Beachtung findet. Es ist eine tolle Sportart, mit attraktiven Sportlern, die auch noch einen Satz geradeaus sprechen können", wirbt Stamm und fügt an: "Aber das erzähle ich ja immer alle vier Jahre zu den Olympischen Spielen." Ob er diesmal Gehör findet, bleibt abzuwarten.

Autorin/Autor: Lars Gawel, peking.ARD.de
Stand: 07.08.2008 11:25
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